Spiele nicht auf den Saiten…

…Fremder Seelen!

Im November 2015 schrieb der Chefredakteur Uwe Bokelmann in TV Hören und Sehen einen interessanten Brief von dem Russischen Schriftsteller „Anton Tschechow“ auf. Dieser Brief hat mich zum Denken angeregt, so dass ich das nun aufschreiben und mit eigenen Worten anpassen möchte.

Im März 1886 schrieb sich Anton Tschechow einen Brief von der Seele. Tschechow wusste schnell, dass zu seinem Talent auch sehr viel Selbstdisziplin erforderlich war, um am Ende erfolgreich zu sein. Er war ein großartiger Erzähler und ein weichherziger Mann, er lebte als Künstler und als Mensch nach Prinzipien, die ihm unumstößlich waren. Er nannte sie seine Erziehung, wobei hier die Erziehung im Falle Tschechow ein Akt der Selbsterziehung war. Er hatte sich beigebracht was er für richtig und wichtig hielt, weil seine Eltern ihm dies nicht hatten vermitteln können.
Der besagte Brief ging an seine älteren Bruder Nicolai, der sich stets bei ihm beklagt hatte und zwar über all die großen und kleinen Ungerechtigkeiten der Welt.

So schrieb er folgende Zeilen an seinen Bruder:
Du hast einen großen Fehler und der ist die Ursache für Deinen Kummer. Das ist Deine äußerst mangelhafte Erziehung. Entschuldige bitte, aber nur in der Wahrheit liegt wahre Freundschaft. Menschen mit Erziehung müssen meiner Meinung nach folgenden Bedingungen genügen.

1. Sie achten die menschliche Persönlichkeit und sind daher stets nachsichtig, sanft, höflich, entgegenkommend. Sie bekommen keinen Tobsuchtsanfall wegen eines Fehlers oder eines verlorenen Radiergummis. Sie verzeihen Lärm, Kälte, angebranntes Essen, blöde Witze und die Anwesenheit von schwierigen Fremden in ihrem Haus.

2. Sie haben nicht nur mit Bettlern und Tieren Mitgefühl. Ihnen tut auch in der Seele weh, was man mit bloßem Auge nicht sehen kann.

3. Sie achten fremdes Eigentum und sie bezahlen darum auch ihre Schulden.

4. Sie sind reinen Herzens und fürchten die Lüge wie Feuer. Die Lüge beleidigt den Zuhörer und setzt ihn in seinen Augen herab.

5. Sie erniedrigen sich nicht, um beim anderen Mitleid zu erwecken. Sie spielen nicht auf den Saiten fremder Seelen, um als Antwort dafür ein einstimmiges Mitjammern zu hören.

6. Sie sind uneitel. Sie sind nicht interessiert an schnellen Bekanntschaften und Berühmtheiten. Wenn sie etwas tun, das einen Groschen wert ist, geben sie nicht damit an, als hätten sie die Welt vor dem Untergang gerettet.

Du musst Deine Eigenliebe sein lassen. Du bist kein Kind mehr. Du bist bald 30 Jahre alt. Ich warte auf Dich. Wir alle warten auf Dich…

Wie mag der Bruder auf diesen Brief reagiert haben? War er sauer und wütend? Schämte er sich? Konnte er sich erkennen und erahnen welchen Liebesdienst in diesen Zeilen steckten? Was sein Bruder ihm zum Geschenk gemacht hat war eine kurze Betriebsanleitung worauf es ihm Leben ankommt, wenn man bestrebt ist sein Leben in Anstand und würde zu führen.

Ich kann erahnen wie schwer es gewesen sein mag, diesen weisen Worten zu folgen.

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